Der Kirschensoog - eine periodische Karstquelle

Eine interessante Karstquelle ist der Kirschensoog, der im Rahmen einer Diplomarbeit am Geographischen Institut der Universität Göttingen untersucht wurde (Jacobs 1988). Ca.2 km westlich der Ortschaft Alt Wallmoden gelegen, entwässert diese periodisch wasserführende Erdfallquelle über einen Graben in die Neile, welche wiederum in die Innerste mündet.

Der Kirschensoog wurde von Kolbe (1980) und anderen Autoren als Heberquelle, bei der ein unterirdischer Hohlraum durch Heberwirkung eruptiv geleert wird, mit einer maximalen Schüttung von 3 m3/s beschrieben (zum Vergleich: die Rhumequelle im Pöhlder Becken als stärkste Quelle in Niedersachsen hat eine Schüttung zwischen 0,9 und 5,5 m3/s). Der Kirschensoog liegt die meiste Zeit des Jahres trocken und führt nur nach ergiebigen Sommergewittern und nach der Schneeschmelze Wasser.

Während eines von Jacobs untersuchten Schüttungsereignisses, bei dem sich die Füllung des Quellbodens über drei Tage hinzog, bis ein Abfluß über den Graben in die Neile erfolgte, konnte ein plötzlicher, sehr starker Anstieg der Schüttung von 22,1 l/s auf 416,0 l/s festgestellt werden. Zur gleichen Zeit wurde im Wasserwerk Alt Wallmoden die Förderung eingestellt, da eine starke Trübung des Wassers mittels der dort installierten Trübesonde festgestellt wurde. Solche Ereignisse treten nach Aussage des Wasserwerkbetreibers bei extrem hohen Wasserständen im Karstgerinne auf. Der um fünf Stunden zeitverzögert erfolgende Anstieg der Schüttung im Kirschensoog deutet auf eine Druckwelle, die, ausgelöst durch große Mengen neuer Zuflüsse, dem Wasser im höhlenartig erweiterten Gerinnesystem vorauseilt und so zu einer Zunahme der Schüttung führte. Der höchste Abfluß während des gesamten Untersuchungszeitraumes betrug 963,3 l/s und erfolgte nach der Schneeschmelze.

Während dieses größten Schüttungsereignisses konnte festgestellt werden, dass ab einer Schüttung des Kirschensoogs über 700 l/s Wasser aus einer Quellreihe unmittelbar neben der Neile auf einem Acker ca. 3 m über dem Neilewasserspiegel austritt. Dieses Wasser entstammte eindeutig dem Karstgerinne, wie durch chemische Analysen gezeigt werden konnte.

Der Kirschensoog stellt ein "offenes Fenster" des Karstgerinnes zur Erdoberfläche dar und wirkt so als Überdruckventil. Der Düker unter der Neile, d.h. die Stelle, an dem das unterirdische Karstgerinne die oberflächlich abfliessende Neile quert, ist nur für einen normalen Abfluß im Karstgerinne dimensioniert. Steigt der Wasserstand im Karstgerinne bei Hochwassersituationen an, kommt es zu einem Rückstau im Gerinne und zu einem Anspringen des Kirschensoogs. Dieses Anspringen hat aber offensichtlich nichts mit einem Hebermechanismus zu tun.