Dinsterbachschwinde |
Als weiteres herausragendes karstgeologisches Phänomen zeigt sich die 1 km nordöstlich von Questenberg im Naturschutzgebiet gelegene Dinsterbachschwinde. Diese Bachschwinde ist neben der Ankenbergschwinde bei Hainrode die größte Schwinde des Landes Sachsen-Anhalt. In ihr versinkt der Dinsterbach, der rd. 2,8 km nördlich der Schwinde bei ca. 340 m NN zwischen dem Hohekopf und dem Rotenkopf im Harz-Grundgebirge entspringt und nach 2,3 km Verlauf über silurische und devonische Grauwacken und Tonschiefer östlich des Weinberges den Zechsteinausstrich mit oberflächig anstehenden Kalksteinen und Auslaugungsrückstände erreicht. Die leicht verkarstbaren Sulfatgesteine sind im Verlauf des Dinsterbaches bereits weitgehend subrodiert. Sie treten erst wieder massiv im Bereich der Dinsterbachschwinde zu Tage. Im Bereich der Schwinde sind in kurzen Zeiträumen starke Veränderungen zu beobachten. Abgestürzte Anhydritblöcke, wie die vom Frühjahr des Jahres 2000, werden auf dem Grund der Schwinde durch das Oberflächenwasser innerhalb weniger Jahre vollständig subrodiert. Auf die rasanten Veränderung der Landschaftsform im Karstgebiet weist auch die Mineralisation des Karstwassers hin. Diese ließ für den Raum zwischen dem Bauerngraben nördlich Roßla und dem Nassetal in Questenberg auf gelöste und abgeführte Gipsgesteins-Mengen von 22 t / d oder umgerechnet etwa 3500 m³ / a schließen. Für die Dinsterbachschwinde sind Wasserversinkungen ohne Rückstau bis 100 l/s bekannt. Die durch den Dinsterbach am Fuß der 30 m hohen Anhydritwand angelegte Höhle, durch die der Bach in den Berg fließt, wird durch Karstprozesse beständig nach Westen erweitert. Die Höhle , die einen Höhenunterschied von 10 m aufweist, wurde in der Vergangenheit bis auf eine Länge von 50 m erkundet. Sie ist jedoch extrem durch Verbruch gefährdet und sollte keinesfalls betreten werden. Zur Klärung des unterirdischen Verlaufes dieses Karstgerinnes führte man1954 einen Tracer-Versuch durch. Nach ca. 2 Stunden zeigte sich das im Bereich der Schwinde eingefärbte Wasser in einer Entfernung von 950 m in Questenberg am Toten Sumpf. Die Fließgeschwindigkeit von 0,13 m/s weist auf einen stark verkarsteten Gesteinsverband hin. |